Sonntag, 3. Mai 2015

Rapperswil - Zürich

Zum zweiten Mal diese Woche klingelt der Wecker wegen des Trainings früh. Um halb sieben Uhr verlassen wir unseren ländlichen Wohnort Rapperswil. Im nahen Bern steigen wir in den Intercity nach Zürich, treffen dort eine Stunde später unseren Kollegen Patrick, und fahren gemeinsam in die Rosenstadt Rapperswil am östlichen Zürichseeufer.


Wir bereiten uns alle nach dem selben Plan auf den Stockholm Marathon vor. Und da wir sonntags unterwegs auf der heimischen, hügeligen Longrun-Strecke schon oft wünschten, flacher trainieren zu können, kommt die Einladung zum gemeinsamen langen Lauf von Rapperswil nach Zürich wie gerufen.
Das Zögern in den Dauerregen hinaus zu laufen, lohnt sich nicht. Das Wasser dringt zwar schon nach wenigen Minuten bis in die Schuhe, doch es ist überhaupt nicht kalt.


Wir finden einen guten gemeinsamen Trott, und die ersten Kilometer verfliegen schnell. Ich bin am oberen Zürichsee aufgewachsen, so weckt der erste Streckenabschnitt viele Erinnerungen an die Jugendzeit - Sonntagsspaziergänge am See oder zum Schloss, das Langstreckenschwimmen mit der Jugendgruppe der Rettungsschwimmer von der Insel Lützelau hinüber zur Stadt-"Badi" von Rapperswil, oder Biologie-Exkursionen ins "Riet" kommen mir in den Sinn.



Die Goldküste (so genannt wegen tiefem Steuerfuss und hoher Immobilienpreise) schlummert im Sonntagsschlaf. Wir laufen entlang der Hauptstrasse, und es herrscht doch kaum Verkehr, der die Morgenidylle trüben könnte. Die Aussicht über den See ist oft unverbaut, und überraschend viele der Sonne zugewandte Hänge des Pfannenstiels bieten Platz für Weingärten statt für teure Terrassenwohnungen.



Die Dunstwolken über dem See zeugen vom fordernden Waschküchenklima. Westen, Windjacke und Ärmlinge werden verstaut, und schon früh müssen wir die erste Energie-Krise mit einem Gel überbrücken. So einfach wie erwartet ist das Laufen auf flacher Strecke nicht ...



Bei unseren drei Zürich Marathon-Teilnahmen hatten wir jeweils das Gefühl, dass es sich mächtig zieht bis zum Wendepunkt der Strecke in Meilen und wieder zurück in die Stadt. Weit weg das Ende des Zürichsees zu ahnen, war immer überwältigend. Dass wir bis zu diesem Ort schon 17 Kilometer zurückgelegt hatten, überrascht uns heute sehr. Der Rest der Strecke erscheint unendlich laaang.


Der Verkehr wird nun dichter, langgestreckte Baustellen zwingen zum Zickzacklaufen von einer Strassenseite zur anderen, und der Wasservorrat in den Trinkflaschen geht zur Neige. Die Beine verrichten brav ihren Dienst, die alten Wehwehchen bleiben stumm - und doch spüren wir alle die sich summierenden Kilometer dieser umfangreichsten Trainingswoche. Der Gedanke an die bei Patrick bereitstehenden Sonntagsbrunch-Köstlichkeiten rettet über die letzten Kilometer. 



Zwei Kilometer vor dem Ziel können wir ins Grün der Quai- und Parkanlagen des Seefeldquartiers eintauchen. Unter anderem gibt es da Tinguelys Heureka zu sehen - und ganz schwach zeichnet sich noch die rosa "Blue Line" des EM-Marathons vom letzten August auf dem Asphalt ab.



Nach 31.2 Kilometern ist der unerwartet anstrengende Longrun geschafft. Wir helfen Touristen sich vor der Kulisse der Stadt abzulichten und sind froh, dass uns noch vier Wochen Zeit bleibt bis zu unserem speziellen Stadt-"Rundgang" in Stockholm!



31.2 km Longrun 5:49 Min./km / Puls 140
+/- 45 hm / 13° Regen, leichter SE-Wind, 100 % Luftfeuchtigkeit

Track https://connect.garmin.com/modern/activity/763888590

Kommentare:

  1. Liebe Marianne,
    dem Regen getrotzt, die Leiden überwunden und einen schönen Lauf in anderem, aber dennoch bekanntem Revier absolviert, prima! Ich denke, solche Abwechslung hilft mental, den Longrun zu absolvieren und sicher hat danach das Essen ordentlich gemundet... ;-)
    Schönes Grün, das sich besonders vor der eigentlich grauen Kulisse abhebt.
    Liebe Grüße, bis demnächst!
    Elke

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    1. Liebe Elke
      Dieser Lauf war in der Tat ein gutes Mentaltraining. Auch aufgrund der "Vor-Start-Nervosität" der unbekannten Strecke wegen.
      Die Hauptstrassenstrecke hat uns positiv überrascht - da gab es viel Natur zu bewundern. Die rosa blühenden Kastanienbäume waren besonders eindrücklich.
      Ja, so gut wie nach einem Longrun schmeckt das Frühstück doch nie ;-)
      Liebe Grüsse - wir freuen uns auf euren Besuch!
      Marianne

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