Sonntag, 1. November 2015

Unten grau - oben blau

Im Herbst lautet die Wetterprognose für das Schweizer Mittelland sehr häufig "unter grau - oben blau". Das Wissen, dass über dem feuchten Hochnebel-Deckel die Sonne strahlt, weckt die Sehnsucht, in die Berge zu fahren. Im Alltag ist die Flucht aus dem Nebel-Grau selten möglich. So spulen wir unsere Kilometer unter der Woche gedludig ohne Sonnenlicht ab. Die Herbstlandschaft entschädigt mit flammender Laubfärbung für die Entbehrungen ...





... doch am Sonntag gibt es kein Halten mehr. Auf der Homepage von Veloland Schweiz haben wir eine vielversprechende Route gefunden - die Mont Soleil Tour. Auf dem "Sonnenberg" müsste ja zu finden sein, wonach wir so sehnsüchtig suchen.



In der Nähe von Saignelégier geht es los zur Fahrt durch die eindrückliche Parklandschaft der Freiberge mit den typischen Wytweiden, welche gleichzeitig der Wald- und Weidenutzung dienen. Das Mosaik von saftig, grünen Wiesen, dunklen, mächtigen Fichten und Trockensteinmauern ist faszinierend.


Der Sonnenberg hält, was sein Name verspricht. Dampfwölkchen dringen aus unseren warmen Fleecepullovern, bis wir den sonnigen Höhenrücken auf knapp 1'300 müM erreichen. Eher sommerlich scheint das Klima, und wir saugen die Wärme, das Licht und die vermeindlich letzten Sonnenstrahlen des Jahres gierig auf.



Im Taleinschnitt wabbert das Nebelmeer, doch hier oben ist die Luft so klar und rein, dass man auf der Rückseite des Chasseral jeden Baum zählen könnte.



Flott sausen die Bike-Räder über geschwungene Jurakalkwege, die wir uns mit vielen Ausflüglern und von stämmigen Pferden gezogenen Planwagen teilen. Die mächtigen Flügel der Windkraftwerke stehen fast still, und die Aussicht reicht bis weit nach Deutschland hinüber.






37.1 km Biketour 17.3 km/h, Puls 122
+/- 640 hm, 15° schön, sanfter O-Wind
Track https://connect.garmin.com/modern/activity/944234772

Als "Zückerchen" zum Abschluss der Juratour heben wir uns etwas ganz Spezielles auf. Im Auto warten die Joggingschuhe. Nach fast zwei Monaten Laufpause wollen wir bei der Umrundung des grössten Moorsees der Schweiz ein paar sanfte Laufschritte wagen.


Locker traben wir vom Parkplatz weg. Ungewohnt ist diese Fortbewegungsform geworden. Gleichzeitig ausgelassen wie Kälber auf der Frühlingsweide und zögernd Rücken bzw. Fuss nachspürend tasten wir uns vorwärts bis zum See, dessen Anblick uns fast den Atem raubt.


Unvermittelt fühlen wir uns 3'000 Kilometer fortgebeamt - Birken, dunkelbraunes, mooriges Wasser, Schilfgras am Ufer und ein Kiefernurwald, der sich im Wasser spiegelt - der Étang de Gruère könnte auch in Lappland liegen - auf 1000 müM gleicht die Juravegetation jener im hohen Norden auf 200 müM!


Ein grosser Unterschied bietet das Landschaftserlebnis jedoch - auf unserem zwei Kilometer kurzen Weg über Plankenstege und durch den feuchten Blaubeerwald treffen wir hier mindestens 100 Spaziergänger an. 

Während für mich diese erste Laufeinheit der Auftakt zu einem vorsichtigen Wiedereinstieg ist, gibt sie Andi den Hinweis, dass sein Fuss noch mehr Schonung braucht ...

2.7 km Jogging 6:57 Min./km / Puls 129
+/- 20 hm, 16° schön, sanfter O-Wind

Track https://connect.garmin.com/modern/activity/944234867

Kommentare:

  1. Liebe Marianne,
    ja ihr seid gesegnet mit einer so schönen Landschaft. Beim Bild des Moorsees musste ich aber auch gleich an Deine Schwedenfotos denken! Doch das typische Jurahaus zeigt ja, wo Ihr seid. Aber so könnt Ihr doch immer wieder einmal einen "Schwedenausflug" machen - und Euch die ganzen Wanderer wegdenken ;-)
    Schön, dass eine ganz kleine Wiedereinstiegsrunde ganz gut, wenn auch noch nicht perfekt verlief. Geduld, Geduld...
    Ganz liebe Grüße
    Elke

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  2. Liebe Marianne,
    dieses typische Herbstwetter hatten wir heuer noch gar nicht so häufig - der Föhn bläst sogar den Nebel weg! Aber ich finde den Moment, wenn man durch die Nebelschicht durch ist, jedesmal wieder besonders! :)
    Und der Moorsee - einfach herrlich!

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