Donnerstag, 14. Mai 2015

17 km Flughafenlauf Zürich-Kloten

Dem Sommerferien-Ausflug in den Zürcher Zoo und zum Flughafen fieberte ich in den Primarschuljahren ähnlich sehnsüchtig entgegen wie Weihnachten. Den Flughafen laufend zu umrunden stand deshalb schon lange auf meiner Wunschliste. Anstelle eines Halbmarathons passt der 17 Kilometer lange Flughafenlauf knapp drei Wochen vor dem Stockholm Marathon nun gut als Testlauf.


Das Schulhaus Hinterwiden in Kloten bietet die Infrastruktur für den Start- und Zielbereich. Der Lauf ist perfekt organisiert. Innerhalb weniger Minuten haben wir uns nachgemeldet und die Wertsachen abgegeben. Bevor es Zeit ist auf dem Rasenplatz Aufwärmrunden zu drehen, setzen wir uns auf die Festbänke im Innenhof, nippen Wasser und schauen zu, wie die Langstreckenflieger nach dem Start abdrehen.

896 Männer und 340 Frauen sind für den Hauptlauf gemeldet. Die Herren der Kategorien M20-M40 dürfen um 10:30 Uhr auf die Strecke. Alle Frauen und die restlichen Männer müssen sich bis 11:15 Uhr gedulden. Es wird von Minute zu Minute heisser, und wir sind schon verschwitzt, bevor der Startschuss fällt.

Laut Trainingsplan ist eine 5:01 Min./km-Pace gefordert. Vor 18 Tagen hatte ich noch Mühe, diese Geschwindigkeit über 10 Kilometer zu halten, und ich vermute, dass ich mich bei diesem Wetter mit 5:10-5:15 Min./km werde begnügen müssen ...


Auf der Werftstrasse geht es nach dem Start deutlich abwärts dem Flughafen entgegen. Die Beine laufen flink. Und auch auf dem zweiten Kilometer ist es schwierig, vor lauter Spannung und Vorfreude nicht "abzuheben" - 4:26 und 4:39 Min./km meldet die Garmin.


Ein Naturweg führt entlang der friedlich dahinfliessenden, begradigten Glatt. Vom Flughafen ist vorerst nicht viel zu sehen, die Flieger sind kaum zu hören, und es fällt schwer zu glauben, dass während unserer Laufzeit knapp 90 Flugbewegungen geplant sind. Zwischen 11:15 und 12:40 Uhr gibt es laut Ankuft & Abflug-Plan 42 Landungen und 45 Starts.



Im Flüsschen quaken die Frösche, Rotkehlchen singen im Gebüsch, aus den Schrebergärten dringt Grill-Duft, und die Natur umfängt uns oft wie ein dichter grüner Tunnel.


Der Schatten ist genauso willkommen wie der sanfte Westwind, der herrlich kühlend über die schweissnasse Haut streicht. Hab ich die Handbremse genügend angezogen? Noch immer misst die Uhr Paces knapp unter 5:00 Min./km.
Wir laufen entlang des Naturschutzstreifens "Schlosswinkel". Moorige Wasserflächen wechseln sich mit wogendem Schilf, die Lerchen jubilieren, und die grossen Donnervögel werden vom Wald gut verborgen.




Endlich, nach sechs, sieben Kilometern zeigt sich das erste Flugzeug - die Air Berlin hebt zur Reise nach Palma de Mallorca ab.


An der Verpflegungsstelle vor Oberglatt kippe ich einen Becher Wasser über den glühend heissen Kopf und schnappe mir einen tropfnassen Schwamm. Der Applaus des Publikums gibt für ein paar Schritte Energie.



Der Hauseckenlauf entlang schöner Fachwerkhäuser hält ausgangs Oberglatt unerwartete 10-15 Höhenmeter bereit, und diese erscheinen mir schrecklich "steil".


Auf der langen Gerade der Bülachstrasse finde ich meinen Rhyhtmus wieder. Das nordwestliche Ende des Flughafengeländes ist erreicht. Am Planespotter Punkt, welcher Aussicht auf die Pisten 14/32 und 16/34 bietet, versammeln sich gerne fototechnisch gut ausgerüstete Aviatikfreunde. So sind die Linsen der Fotoapparate heute eher auf die TAP Portugal gerichtet, die mit Ziel Lissabon startet, als auf die Läufer.



Vorbei am Naturschutzgebiet "Vordermoos" geht es zum Hintermoos und der Brücke über die Oberglattstrasse entgegen.


Auch dieser "Buckel" bringt mich kurz aus dem Trott. Dann lasse ich mich wieder von der Begeisterung über die Natur rund um den Flughafen mitreissen. So viel Grün, Birkenwäldchen und eine Hochlandrinder-Weide hätte ich hier nicht vermutet. 



Die Zwischenbilanz nach 10 Kilometern überrascht mit 48:55 Minuten (4:53 Min./km) positiv. Vor 18 Tagen war ich beim 10er Test haargenau gleich schnell - hoppla, wenn das nur gut kommt ...


Flug TK 1908 der Turkish Airlines nimmt Kurs auf Istanbul. Den Mix von Natur und Technik finden wohl viele spannend, so teilen wir uns das Naherholungsgebiet mit zahlreichen Inline Skatern, Spaziergängern, Wanderern und Radfahrern. 

Mehr als die Hälfte der Flughafenfläche ist nicht überbaut und bietet wertvollen Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Um den Flugverkehr nicht durch Vogelschlag zu gefährden, werden die Grünflächen als extensive Langgras-Wiesen genutzt. Seltenes Mähen hält die Zahl der Kleinnager tief. Greifvögel finden weniger Beute, und das dichte Gras verhindert, dass Schwarmvögel sich in grosser Zahl wohlfühlen. Mehr Infos über die Naturoase Flughafen Zürich gibt es hier.


Im richtigen Moment ist der Blick auf die Piste frei. Etwas intensiveres Triebwerk-Heulen kündet die grosse Mittags-Attraktion an. Der A380 der Singapore Airlines - von Insidern liebevoll "Möbelwagen" genannt - schwingt sich gemächlich in den Himmel, als ober er im Zeitlupentempo unterwegs wäre. Unglaublich, wie dieser Koloss die Gesetze der Schwerkraft überwindet - da könnte man glatt das Laufen vergessen!


Doch Konzentration auf die Schritte ist gefragt. 60 % der Strecke führen über Naturwege, und der Pfad entlang des Himmelbaches ist steinig, von ausgetrockneten Pfützenlöchern durchsetzt und kurvig. Frisch mit Wasser und kühlenden Schwämmen versorgt gehts durch die Naturschutzgebiete "Bachenbülacher Allmend", "Rütner Allmend" und das "Goldene Tor". Das erfrischende Nass ist schnell verdunstet, und die stechende Mittagshitze lässt sich mit Rückenwind nur schwer ertragen.



Wir nähern uns dem Kopf der Piste 32 (die in die Richtung 320° weist). Die Flugzeuge heben jetzt praktisch direkt neben uns ab. Eine Maschine der United Airlines (Flug UA 937 nach Washington) düst mit schrill heulenden Triebwerken vorbei und erhebt sich mit dumpfem Brummen, das den Brustkasten vibrieren lässt, in die Luft.


Aus östlicher Richtung setzen viele Swiss Flieger zur Landung auf Piste 28 an. Die Kurzstreckenflotte kehrt in diesen Minuten von den Morgenflügen nach Nizza, Stockholm, Madrid, Berlin, Helsinki zurück. Die Eindrücke sind überwältigend, die Strecke scheint sanft zu steigen, die Dusche beim letzten Verpflegungsposten erfrischt nicht mehr und meine Energie geht auf dem 15. Kilometer zur Neige ...


Zurück bei den Flughafengebäuden mischt sich das weit auseinandergezogene Läuferfeld mit Touristen und Freizeitsportlern. Manchmal muss man aufpassen, den Weg nicht zu verlieren. Die Brücke über die Autobahn bremst mich stark. Ich denke an den anstehenden Sonntagslongrun und den nahen Marathon. Jetzt nur nicht übertreiben! Ich werde langsamer, und auf der Rampe zum Schulhaus hoch erlaube ich mir eine Gehpause.

"Nur noch 400 Meter", ruft jemand aus dem Publikum. Tatsächlich, da taucht der Zielbogen auf. Und ich kann kaum glauben, dass die Anzeige meiner Uhr stimmt, als ich ankomme - 1:25:14.5 Stunden. Die Punktlandung - der 5:01 Min./km Schnitt - ist trotz der drei harten letzen Kilometer gelungen! Noch bin ich nicht wieder zu Höhenflügen fähig - Andi war knapp fünf Minuten vor mir im Ziel - der Aufwärtstrend ist aber deutlich.


Noch einmal geniessen wir die perfekte Laufatmosphäre. Weder bei der Zielverpflegung noch in der Dusche gibt es ein Gedränge. Und es gibt genug warmes Wasser für alle. Die meisten Läufer scharen sich im Innenhof der Schule und bleiben bis zur Siegerehrung. Das Kuchenbuffet sieht köstlich aus, die Belohnungs-Bratwurst schmeckt. Und als Hauptpreis winkt bei der Verlosung gar ein Flug für zwei Personen auf dem Europanetz der Swiss. Wenn wir auch nicht das grosse Los ziehen, so versüsst doch Andis Preis die Heimreise nach Bern.



Flughafenlauf Zürich-Kloten 17 km / 1:25:14.5 Stunden
5:01 Min./km / Puls ca. 163
+/- 90 hm / 19° schön - leicht bedeckt, heiss, 11 km/h WNW-Wind

12. von 43 W50
69. von 340 Frauen

Track https://connect.garmin.com/modern/activity/774175013

Kommentare:

  1. Liebe Marianne,
    welch ein schöner Lauf! Das es SO am Flughafen aussieht, hätte ich nicht gedacht! Und dann erst noch die Flieger, die man studieren kann, ja da könnte man das Laufen vergessen. Und Du hast ja gar den Flugplan auswendig gelernt! Prima, dass es mit der Pace doch klappte, zumal bei den Temperaturen, das lässt für Stockholm die Vorfreude steigen!
    Es liest sich, als wenn dies nicht die letzte Teilnahme an diesem Event war. Dass man doch auch nach so langer Kaufkarriere noch neue unbekannte Läufe finden kann, ist auch schön!
    Liebe Grüße
    Elke

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    1. Liebe Elke
      Ja, ich bin sicher, euch hätte es auf dem Weg rund um den Flughafen ebenso sehr gefallen! So viel Natur war auch für uns total unerwartet.
      Den Flugplan hatte ich nur überflogen, um auszurechnen, wo in etwa mit dem A380 zu rechnen sei, und die Destinationen der anderen gesichteten Flieger aus Neugier nach dem Lauf herausgesucht.
      Lauf-"Perlen" gäbe es in der CH wohl noch viele zu entdecken. Alleine im ZüriLaufCup locken neben dem Flughafenlauf ein paar Wettkämpfe nur schon vom Namen her - Rheinfall-Lauf, Türlersee-Lauf, Männedörfler Waldlauf ... Wenn nur die Anreise nicht wäre!
      Die mit Ach und Krach erreichte 5er Pace lässt uns in Stockholm bestimmt nicht übermütig werden ;-)
      Liebe Grüsse
      Marianne

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  2. Gratulation x2! Ihr habt auch einen tollen Tag erwischst für den Lauf!

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    1. Hallo Chris
      2 x danke! Ja, das war ein richtiger Sommerlauf!
      Gruss Marianne

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  3. Liebe Marianne

    Auf der Suche nach Berichten vom Flughafenlauf bin ich durch Zufall (Namens Dr. Google) auf deinen Blog gestossen.
    Als OK Präsi dieses Anlasses freut es mich natürlich sehr, dass dir der Lauf gefallen hat und gratuliere dir zu deinem Resultat!
    Dein bebildeter Bericht ist ein richtiger Werbespot und somit hoffe ich natürlich, dass du viele virtuelle Besucher haben wirst und sich der/die Eine oder Andere davon antecken lassen wird und sich den FHL2016 in die Agenda einschreibt.

    Wenn du nichts dagegen hast, würde ich auf unserer Vereinsseite www.lsv-kb.ch/flughafenlauf gerne einen Link auf deinen Blog platzieren.

    Nun wünsche ich die viele weitere schöne Lauferlebnisse!
    sportliche Grüsse

    Hansjürg

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    1. Lieber Hansjürg

      Es freut mich, dass du meine Seite gefunden hast und dir der Bericht über "deinen" Lauf gefällt. Danke für die Blumen!
      Diese gebe ich gerne an euch zurück. Noch selten hat uns ein Lauf nicht nur vor der Strecke her, sondern vor allem was die Organisation anbelangt so sehr begeistert. Wir kommen bestimmt (hoffentlich schon nächstes Jahr) wieder und wünschen euch einen erfolgreichen FHL2016. Gerne darfst du meinen Bericht auf eurer Vereinsseite verlinken.

      Danke für die guten Wünsche und sportliche Grüsse
      Marianne

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