Sonntag, 9. November 2014

Grünes Licht

Frühmorgens brennt am Dienstag der Himmel. Der Föhn (Südwind) droht zusammenzubrechen, Wolken ziehen auf, und die tief stehende Sonne zaubert eine fantastisch, dramatische Stimmung. Ein Lauf unter den farbenfrohen Wolken wäre speziell. Doch ich muss zum Hausarzt und drehe im Wartezimmer Däumchen ...



Zwei Monate nach der durchgemachten Lungenentzündung kann heute das Kontroll-Röntgenbild gemacht werden. Der Schatten im unteren linken Lungenlappen ist verschwunden. Ich werde endgültig für gesund erklärt und kriege auch wieder grünes Licht zum Tempo Trainieren.

Sogleich will natürlich ausprobiert sein, wie sich zügigere Geschwindigkeit anfühlt. Das Intervall aus Steffnys erster Marathon-Trainings-Woche - 4 x 2000 Meter Marathon-Tempo - scheint nicht zu "wild". Eine 5:00er Pace dürfte passen, die Beine wollen jedoch schneller laufen, werden aber doch schon nach zwei Etappen müde, und das Herz klopft wilder als mir lieb ist ...
Immerhin kriege ich beim schwierigsten, hügeligsten Abschnitt perfekte Unterstützung. Die Kinder der verstreut liegenden Siedlungen haben lange Schulwege, die sie per Rad bewältigen. Heute fahren sie mit mir um die Wette und "ziehen" mich den mühsamsten Hügel hinan.

Und die Wolken halten ihre nasse Last zurück bis ich zuhause bin.


Drei Tage später lassen sich die acht etwas schnelleren Kilometer bereits ohne grösseren Pulsaufwand zu einem Mitteltempo-Block zusammenfügen.

Das Dosieren der ElliptiGO-Touren gelingt besser als letzte Woche. 15 bis 18 km passen eher als lockere Einheiten ins Lauftraining als lange Ausfahrten. Am Samstag hält die Sonne den Nebel im Schach. Die Jurahöhen sind aber schon frisch verzuckert - der erste Schnee ist doch jedes Jahr wieder ein ganz besonderer Anblick! Und die Erklärung dafür, weshalb die Zehenspitzen auf dem "Jogging-Bike" sosehr frieren ... 



Für die lange Sonntagseinheit hüllt sich Andi in mache "Zwiebelschicht" - er joggt auf dem rasenden Crosstrainer 50 Kilometer, und ist trotzdem vor mir zuhause.


Mich lockt die übliche Longrun-Runde, deren wir seit elf Jahren noch nicht überdrüssig geworden sind. So geheimnisvoll verhüllt wie heute habe ich die Strecke noch selten erlebt.


Boden- und Hochnebel reduzieren die Fernsicht. Haus um Haus, Baum und Baum werden zur Attraktion, als ob im Theater ein neuer Vorhang geöffnet würde. 



Das bunte Laub bindet den Matsch auf den Naturwegen, und über der frisch umgepflügten Erde tanzen Elfen gleich zarte Dunstwölkchen. 



Die Luft ist herrlich frisch, feucht und kühl - und ich denke stundenlang laufen zu können. Obwohl ich in nächster Zeit kein Marathon-Ziel habe, lande ich nach 16 Kilometern am äussersten Wendepunkt unserer Trainingsstrecke - der 30er ist wieder vorprogrammiert ...


Auf dem 22. Kilometer bemerke ich am "Heartbreak-Hill" (hat 40 Höhenmeter), dass ich vergessen hatte ein Gel einzupacken, und mit energieleeren Muskeln läuft es auf dem letzten Stück des Heimwegs ähnlich zäh, wie der Nebel hartnäckig ist.


Im Nebel liegt auch noch mein nächstes Ziel ... 

Es muss nicht immer Marathon sein - Geburtstage und Weihnachten fordern zurzeit einiges an "Finger-Training" von mir!



Dienstag
4 x 2000 m Marathon-Tempo 4:46 Min./km /Puls 158
1. 2000 m 4:50 Min./km / Puls 152
2. 2000 m 4:50 Min./km / Puls 158
3. 2000 m 4:46 Min./km / Puls 161
4. 2000 m 4:46 Min./km / Puls 160

in 15.1 km 5:11 Min./km / Puls 149
+/- 135 hm / 10° bedeckt

Track http://connect.garmin.com/activity/626304500

Donnerstag
12.1 km lockerer Lauf 5:32 Min./km / Puls 136
+/- 155 hm / 5° bedeckt, sanfter ONO-Wind

abends
15.3 km ElliptiGO-Tour 19.0 km/h / Puls 130
+/- 100 hm / 6°


Freitag
8 km Mitteltempo 4:54 Min./km / Puls 157
in 13.1 km / 5:13 Min./km / Puls 146
+/- 115 hm / 8° sonnig, leichter W-Wind
Track http://connect.garmin.com/activity/628076766


Samstag
18.5 km ElliptiGO-Tour 20.4 km/h / Puls 125
+/- 200 hm / 4° neblig-sonnig

Sonntag
30.0 km Longrun 5:30 Min./km / Puls 141
+/- 250 hm / 5° Nebel, leichter NO-Wind
Track http://connect.garmin.com/activity/629365426

Kommentare:

  1. Liebe Marianne,
    das sind doch sehr gute medizinische Neuigkeiten! Es freut mich, wenn Du nun wieder ungebremst, so wie Dir ist, laufen kannst! Was Du ja auch sogleich unter Beweis stellst. Die Bilder sind wieder ganz wunderbar. Genau, der Nebel, als wenn sich ein Vorhang öffnet, sehr bildhaft ausgedrückt. Wetter im Alpen- und Voralpenraum ist einfach viel spannender, als bei uns im Flachen... Norwegermuster stricken - hui, da hast Du Dir etwas vorgenommen! Ich mag die Muster ja sehr, aber sie zu stricken macht mich immer nervös und ungeduldig. Doch ich bin sicher, Du schaffst auch den Strick-Marathon ;-)
    Liebe Grüße
    Elke

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    1. Liebe Elke
      Ja, ich bin sehr froh über diesen guten Bericht. Rückblickend gesehen, habe ich mich aussergewöhnlich schnell von der Lungenentzündung erholt. Und dass ich in München laufen durfte/konnte, war ein kleines Wunder ;-)
      Dass das Wetter hier im Mittelland spannend ist täuscht wohl, suche ich mir doch - sofern das geht - die schönste Wetterphase des Tages zum Laufen aus. Man muss Grau lieben, wenn man hier wohnt ;-)
      Beim Strick-Marathon bin ich nach 9 Tagen im Ziel angekommen. Hab früher auch immer gezögert, Norwegermuster zu stricken (fand das Mitführen der Fäden sehr schwierig). Doch mittlerweile liebe ich den Rhythmus von schwarz/weiss und empfinde das Norweger-Stricken ähnlich meditativ, wie das rechts/links beim Laufen ;-) Falls das Muster doch etwas wackelig wird, bringt ein sanftes Wollprogamm-Bad in der Waschmaschine Abhilfe. Dabei gleichen sich Unregelmässigkeiten aus, und nach dem Trocknen sieht das Werk aus wie maschinengestrickt! Wünsche dir Geduld für einen weiteren Muster-Strick-Versuch - deine Norweger-Stücke sehen doch auch ganz toll aus!
      Liebe Grüsse
      Marianne

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  2. Hallo, Schweizerin, du hattest eine Lungenentzündung - heftig - aber zum Glück hast du dich gut davon erholt - wie kam das - wie lange hat es gedauert?

    Ja, wir lieben den Nebel - und überhaupt !
    Bleib' schön gesund !

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    1. Hallo Margitta
      Die Lungenentzündung überraschte mich aus heiterem Himmel bei einem Berglauftraining. Nach fünf Kilometern kriegte ich Mühe mit dem Atmen, Herzklopfen, Schmerzen in der Brust, Übelkeit und Schweissausbrüche. Am Abend dann fast 40° Fieber.
      10 Tage zuvor hatte ich nach dem Tempo-Training in der 3. Marathon-Vorbereitungswoche vor dem München Marathon (100 km Wochenumfang) ein sehr dezentes Kratzen im Hals verspürt, mich aber schon am anderen Tag wieder gesund gefühlt. Kein Hinweis auf eine Erkältung - kein Schnupfen, kein Husten, kein Halsweh, normaler Puls beim Training!
      Doch drei Tage bevor die Lungenentzündung auftrat, erkrankte unser Jüngster an Bronchitis mit hohem Fieber ...
      Ob ich mich bei ihm angesteckt oder doch eine Erkältung verschleppt hatte?
      10 Tage lang musste ich zwei verschiedene Antibiotika schlucken. Das Fieber verschwand sofort, ich hatte kaum Husten und spürte nur am erhöhten Puls, dass das Immunsystem maximal am Arbeiten war.
      Bereits nach 10 Tagen hab ich mit ganz lockerem Joggen begonnen. Und sechs Wochen nach dem Ausbruch der Krankheit erlaubte mir mein Arzt nach einer Blut-Check gar die Teilnahme am München Marathon, sofern ich diesen nur locker als "Sightseeing-Tour" laufen würde. Ich fühlte mich unterwegs sehr gut, und dieser Marathon wurde zu einem ganz speziell schönen Erlebnis.
      Hab immer noch nicht 100% der Energie wie im Sommer, aber ich lasse mir Zeit mit dem Wiederaufbau des Trainings.
      Danke für deine guten Wünsche.
      Auch dir immer alles Gute!
      Liebe Grüsse
      Marianne

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  3. Wie ich schon sagte, heftig, zum Glück hast du alles gut überstanden, wohl nicht zuletzt wegen deiner guten körperlichen Konstitution.

    Lass' deinem Körper Zeit
    er gibt dir dann alles wieder zurück !

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