Samstag, 15. November 2014

Etwas mehr Krafttraining bitte!

Die Dämmerungsstunde verspricht trockene Wetterbedingungen, und Andi will sein ElliptiGO-Training unterbringen, bevor die im Regenradar bereits sichtbaren Dauerregenwolken mit ihrer nassen Last eintreffen.

Ich kann mich nicht dazu aufraffen, alleine in die Dunkelheit hinaus zu starten und brauche erst mal einen Kaffee und ein Quittenkonfi-Brot um munter zu werden.


Die Kirchenuhr schlägt acht Uhr als ich startklar bin, und der Morgenhimmel überrascht mit einem kräftig leuchtenden Viertel-Regenbogen. Entsteht ein farbenfroher Lichtkreis häufig am späten Nachmittag, wenn ein Wärmegewitter abzieht und die tief stehende Sonne schnell wieder lacht, so habe ich kaum je einen Regenbogen an einem Spätherbst-Morgen erlebt.


Der zusammenbrechende "Föhn" (Südwind) lockert mit letzter Kraft, die Wolken vor der Morgensonne auf. Doch der aussergewöhnliche Regenbogen verheisst nichts Gutes. Dunkle Wolkenfetzen schieben sich vor das leuchtende Bogenstück - das Himmelsphänomen ist heute Vorbote für den heranziehenden Regen. 



Als ich die andere Seite des Waldes erreicht habe, schimmert der Regenbogen noch einmal in voller Intensität und schafft es, einen Halbkreis zu schlagen, schon fallen erste, kalte Tropfen, und er verblasst innerhalb von Augenblicken.


Ich habe mir 11-15 lockere Kilometer vorgenommen und trage zum Schutz vor der Nässe nur eine Windweste über dem Laufshirt. Bald bin ich nass bis auf die Haut. Doch 7-8° und feuchte Kälte scheinen einfach "mein" Wetter zu sein, und die Beine laufen überraschend locker.
Ist gar der Effekt von ein paar simplen Kraftübungen zu spüren, die ich seit zwei, drei Wochen zum Aufwärmen vor jedem Lauftraining absolviere (z.B. Ausfallschritte vorwärts, rückwärts, seitwärts - mit Drehungen des Oberkörpers gespickt - und banale Kniebeugen - inspiriert von den Videos des NaturalRunningCenter
)?
Oder laufe ich heute mit den On Cloud wie auf Wolken, da ich das Mitteltempotraining am Donnerstag in den schwereren On Cloudsurfer gelaufen war?


Da ich ahne, dass mein Lauf länger als 15 Kilometer werden wird, trinke ich beim Brunnen nach 7 Kilometern ein paar Schlucke Wasser. Und weiter geht der Streifzug durch die menschenleere Landschaft.
Auf den noch verbleibenden bunten Blättern spielt der Regen im Wald ein Tropf-Konzert, und die abgeernteten Felder riechen nach Erde und vermodernden Pflanzenresten. Wo kürzlich Möhren eingebracht wurden, liegt das nicht normgerechte, ausgesonderte Wurzelgemüse noch immer bunt verstreut auf dem Acker ...



Der Regen lässt etwas nach und ein paar Fetzen blauer Himmel machen den Tag freundlicher. Die am Wegrand liegenden Möhren gehen mir nicht aus dem Kopf. Hätte ich doch zwei mitgenommen - dieses Gemüse eignet sich nämlich perfekt dazu, den Armschwung zu trainieren!
Ich entschliesse mich dazu einen Halbmarathon zu laufen, um auf dem Rückweg sowohl am Möhrenfeld als auch beim Brunnen ein zweites Mal vorbei zu kommen.

Nach 16 Kilometern schnappe ich mir zwei grosse "Rüebli", die schon mindestens eine Woche im Dreck liegen, ohne dass sie jemand eingesammelt hätte. Für den Rest meines Wegs "zwingen" sie mich dazu, den Armschwung sauber auszuführen, sollen sie doch immer schön vertikal auf und ab pendeln, während der Handrücken nach aussen zeigt. Die Möhren helfen darauf zu achten, dass die Bewegung des Armschwungs auf einer Linie neben dem Körper nach vorne in Laufrichtung zielt.
Liegen die Möhren schräg in der Hand, wird sofort deutlich, dass die Arme seitlich schlenkern und die Effektivität des Schrittes leidet.

Das Zusatzgewicht in der Hand trainiert nicht nur die Arme, sondern beansprucht auch den Schultergürtel, die Muskulatur entlang der Wirbelsäule und sogar die schräge und seitliche Bauchmuskulatur spürbar stärker und spornt so zu guter Haltung an. Doch das "Rüebli"-Training macht Spass, und ich erlaube mir ein paar weitere Zusatzkilometer, da nun auch die Qual der Menu-Wahl für's Mittagessen entfällt. 




Mein Gemüse-Krafttrainings-Gerät ist noch ganz frisch und knackig und zuhause schnell in eine Karotten-Safran-Sahne-Spaghetti-Sauce verwandelt.

Dienstag
13.0 km Jogging 5:55 Mi./km / Puls 128
+/- 95 hm / 7° Nebel


Donnerstag
12.0 km Mitteltempo 4:57 Min./km / Puls 156 (darin+/- 100 hm)

in 18.0 km 5:11 Min./km / Puls 150
+/- 155 hm / 11° leicht bewölkt, sanfter ONO-WindTrack http://connect.garmin.com/activity/632173990

Samstag
24.2 km Longrun 5:33 Min./km / Puls 133
+/- 195 hm / 7° Regen, sanfter ONO-Wind
Track http://connect.garmin.com/activity/633121273

Sonntag
17.2 km ElliptiGO 19.9 km/h / Puls 125
+/- 165 hm / 7° bedeckt, sanfter WSW-Wind
abends
4.1 km lockerer Lauf 5:39 Min/km / Puls 126
+/- 25 hm / 11° bedeckt, leichter WSW-Wind 

Kommentare:

  1. Liebe Marianne,
    herrlich - Rüebli-Training...! Und dann die Trainingsgeräte verspesien. Sehe ich Dich schon demnächst mit Pfannen oder Kartoffelsäcken laufen ;-)?
    Die Herbstbilder, besonders die wolkugen, sind wieder sooo schön!
    Liebe Grüße
    Elke

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    1. Liebe Elke
      Zurzeit profitiere ich tatsächlich öfters davon, dass sich meine Trainingsgeräte direkt in regenerations-fördernde Mahlzeiten verwandeln lassen :-) Kartoffeln habe ich in der Tat auch schon nach Hause getragen - ein Laufrucksack wäre zur Erntezeit etwas Praktisches!
      Sonne, Farben, blauer Himmel mit weissen Wolken - diese Zutaten für gute Laune vermisse ich unter dem Nebel so sehr, dass ich einfach raus muss, wenn es mal schönes Wetter gibt hier im Seeland.
      Liebe Grüsse
      Marianne

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  2. Mann-o-Mann. Du sammelst ja echt viele Kilometer nur schon von Dienstag bis Sonntag! Ich glaube schon, dass du mit der Zeit das Technik-Training spürst. Das ist ja eine wichtige Komponente, die viele ignorieren.

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    1. Hallo Chris
      Zurzeit kommen wirklich viele Kilometer zusammen - dabei weiss ich gar noch nicht konkret wozu ich so viel laufe.
      Aber wie Vik sagt ist das Gesundeste beim Marathon Laufen das Training - und den Wettkampf müsste man eigentlich streichen ;-)
      Ja, das Krafttraining ... dazu bin ich oft zu bequem ;-)
      Gruss Marianne

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