Sonntag, 6. Juli 2014

Aussicht auf Aussicht

Länger als drei Stunden verbirgt sich die Sonne hier auf gut 64° nördlicher Breite nicht hinter dem Horizont. Dabei wird es nur ganz leicht dämmerig. Kurz nach sechs Uhr sind wir trotz kurzer "Nacht" überzeugt, ausgeschlafen zu haben. Im Schatten ist es schon 16° warm - Tendenz stark steigend - also nichts wie los zum Longrun! 


Wir stellen uns vor, zum See Lycksträsk und zurück zu laufen. Auf den ersten Kilometern sind die Beine jedoch so müde vom langen Hügellauf, dass wir zweifeln, ob wir diese 30 Kilometer heute schaffen können.


Die Umgebung lenkt vom schwerfälligen Laufgefühl ab, und es zieht uns einfach vorwärts - schneller sogar als geplant. Wir gucken in die gepflegten und doch wilden Vorgärten der traditionellen Häuser. Die Wärme, die stechende Morgensonne, der blaue Himmel mit der Schäfchenwolken-Herde und die tausenden Nuancen von Grün spenden uns mehr Energie, als es kostet, die Füsse zu überreden, uns die heutige Sightseeingtour zu ermöglichen.


Sieben Kilometer sind bewältigt, da markiert der Funkmast auf dem "Berg" in der Ferne unseren Wendepunkt. Bis zu dessen Fuss wollen wir laufen.

Jetzt geht es stets dem Wasser entlang. Mal ist es glatt wie ein Spiegel. Doch meist raschelt und säuselt der Südwind in den Birkenblättern. Er treibt kleine Wellen vor sich her, die an die Sandstrände plätschern und er schaukelt das frisch ergrünte Schilfgras. Die Sommerwärme lässt den Wald herb nach Harz duften, die Luft ist frisch und rein - hier tief durchzuatmen ist eine Wohltat, und wir sehnen nicht mehr jeden Kilometer herbei.




Als die Garmins 14.5 Kilometer anzeigen, entdecken wir einen Schotterweg der wohl zum Funkmast auf dem "Ulriksdalsberget" abzweigt. Spontan folgen wir der möglichen Aussicht auf Aussicht.


Es geht ruppig bergan auf einer von Holz-Vollerntern malträtierten Piste. Doch dank deren kürzlichem Wirken dürfen wir bald 100 Höhenmeter über dem See Rundumsicht geniessen.



Rollende, bewaldete Hügel so weit das Auge reicht und dazwischen tiefblau glänzende, kristallklare, mit geheimnissvoll bräunlichem Wasser gefüllte Seen und Flussarme!





Der erste Kilometer des Heimwegs ist dank des "Abstiegs" geschenkt. Darauf bremst uns der Südwind, es wird sehr schnell heiss und unser Wasservorrat geht zur Neige!



Beim Abstecher über den gut besetzten Campingplatz in Lycksele finden wir glücklicherweise einen Aussenwasserhahn, an dem wir unsere Trinkflaschen auffüllen können. Weit reicht das kühle Nass aber nicht. Die letzte Viertelstunde wird hart. Eine winzige Wurzel reicht aus, mir "ein Bein zu stellen", ich falle wie ein Brett und verletzte mich auf dem weichen Waldweg zum Glück nicht.


Am Nachmittag gönnen wir unseren heiss gelaufenen Muskeln eine Abkühlung. Gestern hatten wir erst Lust die Füsse zu baden. Jetzt ist das Wasser an seichten Stellen schon so warm, dass wir mutig ein paar Schwimmzüge wagen.



31.1 km Longrun 5:36 Min./km / Puls 138
+/- 190 hm / 16-22° schön, leichter SE-Wind
Track http://connect.garmin.com/activity/535425186

Kommentare:

  1. Liebe Marianne,
    ein schöner Lauf! Fast hat man das Gefühl, selber das sachte Plätschern der Wellen zu hören und den sanften Wind zu spüren....mmhhhh.
    Schönen Urlaub!
    Liebe Grüße
    Elke

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    1. Danke liebe Elke!
      Schön, dass ich dir einen Sommer-Windhauch schicken konnte. Bald hast du auch Urlaub und dann werde ich wohl vom Plätschern der Wellen im Süden lesen ;-)
      Liebe Grüsse
      Marianne

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  2. Hallo zusammen
    ... und schon geht der Trainings- und Erholungsurlaub los ;-) Die Lust aufs Laufen ist derzeit in der Heimat nicht sehr gross: Regenwetter, Blitz und Donnergrollen. Gestern haben wir mit Fränzi das gewünschte "50ger-Bantigertürli mit Gipfelapéro" genossen und abends noch lange gefeiert. Habits guet, gniesset dr Norde!

    Liebi Grüessli, Arlette

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    1. Hallo Arlette
      Bei diesem Wetter würde es schwer fallen, die Entdeckungstouren kürzer zu halten ;-)
      Jedesmal wenn ich die Wetterseite öffne, sehe ich, welch niederschlagsreiche Tage ihr zu erdulden habt und denke mit Bedauern an euch Daheimgebliebene.
      Mit der festlichen Gipfeltour habt ihr Fränzi bestimmt eine grosse Freude gemacht! Herrlich seinen Geburtstag mit Freunden unter-Weg-s feiern zu können!
      Euch auch schöne Ferien, wenn es so weit ist.
      Liebe Grüsse
      Marianne

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