Donnerstag, 1. Mai 2014

Langlauf-Ski-Tour im Nordschwedischen Fjäll

30. April - Heute steht unser lange geplanter und heiss ersehnter Ausflug ins 250 Kilometer entfernte Nordschwedische Fjäll (Hochgebirge) bei Hemavan auf dem Programm. Er passt perfekt zur Wettervorhersage, die im Flachland Wolken, Schnee und Regen und an der Grenze zu Norwegen Sonne verspricht.


Die Anfahrt führt auf der E12 dem Fluss Ume älven entlang und ist sehr kurzweilig. In Stensele (550 Einwohnter) steht eine der grössten Holzkirchen Schwedens. Die "Lappmarkskatedralen" aus dem Jahr 1886 bietet Raum für 2000 Besucher, was der Einwohnerzahl der ganzen Region entspricht. Ob die himmelsstürmende Grösse den starken Zukunftsglauben der Neusiedlerzeit wiederspiegelt, oder -  wie böse Zungen behaupten - der Baumeister Fuss mit Metern verwechselte, darüber wird heute noch gerätselt.


Am steinreichen Ufer des nahen See Storuman, zu dem sich der Ume älven weitet, findet der Ortsname Stensele (Steinbucht) seine Erklärung.


Rentiere und Elche verbergen sich gut, und wir bekommen auf der Hinfahrt nur frische Spuren des nordischen Königs des Waldes zu sehen.



Kurz vor unserem Ziel tanzen und trompeten Kraniche zaghaft auf dem tauenden Eis. So weit im Norden hätte ich diese Zugvögel nicht erwartet! Mein Tag ist gemacht, bevor das eigentliche Abenteuer begonnen hat.


In Hemavan, das zusammen mit Tärnaby zu Nordschwedens grösstem Skigebiet gehört, wollen wir ein Paar Langlaufskis mieten. Im Miet-Shop beim Haupt-Skilift kramt der Vermieter zwei Paar hart mitgenommene, alte Schuppenskis, ausgelatschte hohe Langlaufschuhe und Stöcke mit Riesentellern an der Spitze aus dem hintersten Winkel seines Lagers. 


So gerüstet wagen wir uns zum ersten Mal seit einem halben Leben auf eine längere Langlauf-Tour. Die gewählte Langlauf-Loipe "Kobåsspåret" (die gelbe Schlinge in der Bildmitte) scheint einigermassen flach zu sein, doch wir sollten uns - wie schon so oft - in der schwedischen Topografie täuschen. Zudem haben wir damit gerechnet, mit dem Zentrumslift zum Loipenstart fahren zu können. Doch dieser Lift ist im Winter im Gegensatz zum Sommer kein Sessel-, sondern ein Bügellift ...



Na dann - heisst es eben, auf dem Kungsleden selber dort hinauf zu kraxeln. Einmal auf diesem 440 Kilometer langen Fernwanderweg zwischen Abisko und Hemavan zu laufen, davon hatte ich schon lange geträumt.


Der mit roten Kreuzen markierte Winterweg führt uns durch einen lichten Wald aus arg gebeutelten Berg-Birken zur Baumgrenze, die hier bereits etwa auf 900 müM liegt. Wir sind von dieser hochalpinen Landschaft so fasziniert, dass wir unsere Bedenken, wie wir auf den wackeligen Untersätzen wohl heil wieder runter kommen werden, beiseite schieben.


Auf dem Plateau oberhalb des Zentrum-Skilifts bietet sich bereits ein fantastisches Panorama. Wir verlassen den "Königspfad" und können unser Ziel das Tal des Kobåsbäcken schon erahnen.



Blick zurück Richtung Tärnaby, zum See Stor Laisan und zur Bergstation des Zentrums-Lifts.


Schweisstreibend geht es aufwärts, wir lassen die letzten Bäumchen hinter uns zurück und folgen den rot-weissen Stangen der Kobåsspåret durch das grosse Weiss. Ein fitter Skater überholt uns, und eine Handvoll Variantenfahrer benutzt die Loipe als Abfahrtspiste.


Meist herrscht total Stille. Es gibt höchstens einen leisen Vogelruf oder das sanfte Säuseln des Windes zu hören. Kein Flieger am Himmel, kein Schneeskooter, der dröhnt. Vor uns breitet sich Vindelfjällens Naturreservat, das grösste Naturschutzgebiet Schwedens aus.


Verglichen mit den Alpen sind die Gipfel des Norra Storfjället Winzlinge - Norra Sytertoppen ist mit 1768 Metern der höchste Berg des Naturreservats. Aufgrund der sehr nördlichen Lage sind die Bedingungen im Fjäll durchaus mit jenen im Hochgebirge der Alpen zu vergleichen.




Vorbei am Hang der Variantenfahrer führt die Loipe noch weiter ins Tal hinein. In absoluter Abgeschiedenheit legen wir eine Rast ein und können uns kaum sattsehen am Spiel von Licht und Schatten in dieser bezaubernden Berglandschaft. 



Jetzt steht das Abenteuer Abfahrt bevor! Die Metallkanten der Skis beissen viel besser als erwartet. Als einigermassen erfahrene Alpin-Skifahrer bringen wir trotz fehlendem Bindungs-Halt an der Ferse immerhin einen anständigen Stemmbogen zustande ...



... und wenn die Fahrt zu rasant wird, hilft ein Abstecher in den Tiefschnee.



Oberhalb des Centrumbacken nehmen wir sonnenbadend Abschied von dieser herrlichen Bergwelt. Würde man dem Oberlauf des Ume älven noch gut 40 Kilometer weiter folgen, käme man an die norwegische Grenze.


Der Kungsliften führt auf den 1135 Meter hohen Storkittelhobben. Trotz des schönen Wetters ist der Andrang bescheiden! Mit dieser Abfahrt bieten die Pisten von Hemavan neben dem bekannten Skigebiet von Åre, die zweithöchste Fallhöhe (665 Meter). 


Viel zu schnell sind wir wieder am Start-Portal des Kungsleden. Wir werden wiederkommen!


Die Heimfahrt bietet Landschaftseindrücke in schönstem Abendlicht.


Der See Gäuta von der Kirche von Tärnaby aus gesehen.





Umnäs - einer der weit verstreut liegenden Weiler.


Wie schnell das Wetter umschlagen kann, erleben wir kurz vor Storuman. Innerhalb von Minuten bezieht sich der Himmel dunkelgrau, es hagelt und schneit gleichzeitig. Aus dem Autoradio klingen derweil Stundenten- und Frühlingslieder. In den Dörfern brennen riesige Mai-Feuer. Die Schweden feiern "Valborgsmässoafton" (Walpurgisnacht), den Frühlingsbeginn.

9.6 km Langlauf-Ski-Tour
+/- 315 hm / 2° schön, leichter WSW-Wind
Track http://connect.garmin.com/activity/490296073

Heute - Morgenjogging zum Fluss Ume älven. Beim Festplatz der Gemeinde glühen noch die Überreste des riesigen Mai-Feuers - genauso wie in meinem Gesicht der Sonnenbrand und in den Muskeln der Ganzkörper-Langlauf-Muskelkater.






7.1 km Jogging 5:55 Min./km / Puls 123
+/- 45 hm / -1° schön, leichter NW-Wind
Track http://connect.garmin.com/activity/490520592

Kommentare:

  1. Hey ihr 2 Nordländer! Tausend Dank für die tollen Berichte und wunderschönen Bilder, so macht mein "Schreibtischreisen" echt Spass! Viel Erfolg beim heutigen Halbmarathon und bis gli wieder daheim,

    Arlette

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    1. Hej liebe Arlette
      Dich hier per Blog zu treffen freut mich sehr! Schön konnte ich dich einen Moment aus deinen Papierstapeln in die faszinierende nordische Landschaft entführen! Danke für die guten Wünsche für den Halbmarathon. Das Daumendrücken hat gewirkt.
      Ja, bis glii in der Lätti!
      Liebe Grüsse
      Marianne

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