Sonntag, 25. August 2013

Wetterglück beim Berglauftraining

Diesen Sonntag sehen wir die einzige Möglichkeit, noch einmal auf der Jungfrau-Marathon-Strecke zu trainieren. In der Nacht giesst es wie aus Kübeln, und auf den wenigen Metern bis zum Auto werden wir am Morgen zünftig nass. Der Wetterbericht sagt bis gegen Mittag in den Bergen Schauer voraus. Wir wagen die Reise nach Lauterbrunnen trotzdem.
Am Rand der Alpen sieht es heller aus, die Sonne scheint sogar ein bisschen, als wir in Interlaken die Autobahn verlassen, und das Jungfrau-Massiv zeigt sich frisch mit Neuschnee verzuckert.


In Lauterbrunnen geben wir eine Sporttasche mit trockenen Kleidern für den Transport auf die Kleine Scheidegg auf - jetzt gibt es kein zurück mehr - wir müssen ebenfalls da hoch!
Das Wetter sieht nicht so schlecht aus wie erwartet. Mit 12° ist es auf knapp 800 müM aber frisch. Wir sind froh, dass wir lange Laufhosen gewählt haben, binden unsere Regenjacken um und laufen etwa um halb neun Uhr los.





Der Staubbachfall, das Wahrzeichen von Lauterbrunnen, sprüht und gischtet genährt durch die nächtlichen Niederschläge eindrücklich über die 300 Meter hohe Felswand auf der rechten Talseite. Die Wolken versuchen es ihm im Zeitlupentempo gleich zu tun. Wabbernd schleichen sie den Felsen entlang. 



Wir tun uns schwer mit unserem Ballast. Bis zur Brücke über die Weisse Lütschine sind Stirnband, Ärmlinge, Schirmmützen und Regenjacken endlich richtig verstaunt. Doch nun haben die Uhren Mühe mit der Satelitenverbindung. Ständig verlieren sie im engen, tiefen Talkessel das Signal.
Nur eine Woche bzw. vier Tage nach dem Inferno-Halbmarathon bzw. dem Emmenlauf gehen uns die Kilometer nicht besonders locker von den Beinen. Bis zum Einstieg in die "Wengener Wand" geht es glücklicherweise noch zwei, drei Kilometer sanft abwärts.



Nach einer 90° Kurve in Ey liegt der steile Aufstieg nach Wengen vor uns. Bis zum Dorf auf der Sonnenterrasse überwindet man 480 Höhenmeter. 


Wir zählen die Serpentinen. Nach der 4. ist der Tiefblick bereits eindrücklich!


In strammem Wanderschritt steigen wir bergan. Die Touristen, die bequem in der Wengeneralpbahn reisen, jubeln uns so begeistert zu, als ob bereits der Jungfrau-Marathon in Gang wäre.



22 Kehren zählen wir, bis wir 30 Minuten nach dem Einstieg in die "Wand" oben ankommen und auf's Lauterbrunnental hinab blicken können. An der Haltestelle Wengwald vorbei und bis ans nördliche Ende der Sonnenterrasse ist der Weg flacher und lässt sich gut im Laufschritt bewältigen.




Dicke Wolken stauen sich an den Berggipfeln, verwehren die Aussicht auf das Silberhorn und die Jungfrau, und wir rechnen damit, bald in die Regenjacken schlüpfen zu müssen. Wir sind überrascht, dass wir trotz schlechtem Wetterbericht nicht alleine auf der Jungfrau-Marathon-Strecke am Tranieren sind. In Wengen überholt uns ein Läufer mit unglaublich elastischem, kraftvollen Berglaufschritt.





Wir versuchen es ihm gleich zu tun, müssen aber doch immer wieder Gehpausen einlegen. 



In Allmend haben wir ca. 700 Höhenmeter geschafft, Wengen liegt schon weit zurück. Ich freue mich auf einen meiner Lieblingsabschnitte. Die sanft gewellten Kilometer bis Mettla und Wengernalp liegen mir. Und ich bin erstaunt, dass Andi diese Strecke als argen Rhythmusbrecher empfindet.


Da wir damit rechnen, den Bergweg von Wixi zur Haaregg und über die Moräne zur Loucherflue von Wolken verhüllt vorzufinden, haben wir vor auf der "Autobahn" zu bleiben und direkt zur Kleinen Scheidegg zu laufen. Die anstrengendsten Kilometer werden fehlen, so versuchen wir nun möglichst im Laufschritt zu bleiben.



Dem Schilthorn geht es nicht besser als Eiger, Mönch, Jungfrau und Silberhorn. Nur Mürren lacht im Sonnenschein. Andi schwelgt in schönen Erinnerungen an den Inferno-Halbmarathon, der aber schon eine Ewigkeit zurück zu liegen scheint.


Der Bergweg zur Loucherflue liegt tatsächlich in Wolken verborgen. Wie gut, dass ich um diesen steinigen Weg herum komme. Während Andi locker über eine Kuhweide die Abkürzung zum Wanderweg Wengernalp - Kleine Scheidegg hoch kraxelt, protestieren meine müden Waden heftig. Ich bin froh, dass ich nicht länger über wackelnde Steine und schmale Wege balancieren muss. 




Der Blick hinüber zur Haaregg, löst doch etwas Wehmut aus - verpassen wir doch den berühmtesten, atemberaubendsten Teil des Jungfrau-Marathons.



Zum höchsten Punkt der Strecke wollen wir dennoch laufen. Bis zur Kleinen Scheidegg ist es auf dem breiten Wanderweg nicht weit. Darauf rollen wir den letzten Marathon-Kilometer von hinten auf und joggen an der Stelle vorbei, wo der Ziel-Bogen stehen wird. 

Dick vermummte Wanderer kommen uns entgegen. Sie tragen Winterklamotten, Schals, Mützen und Handschuhe. Recht haben sie. Laut Wetterbericht soll es nur noch 4° warm sein. 
Der Woken-Nebel lässt den Speichersee Fallboden als mystisches schottisches "Loch" erscheinen. Das heimliche Wappentier der Schweiz erinnert uns jedoch schnell wieder daran, wo wir uns befinden. 



Nach genau drei Stunden stehen wir auf 2'203 müM beim Steintisch auf der Loucherflue.







Auf dem Weg, der von der Moräne hinüber führt, kann man tatsächlich kaum die Hand vor Augen sehen. Die feuchte Kälte kriecht schnell durch die nasse Laufkleidung, scheint bis in die Knochen zu dringen, und unsere Finger sind schon steif gefroren.  



Wir lassen die Schwerkraft wirken und eilen zurück zur Kleine Scheidegg, dann fallen die ersten Nieselregentropfen.



Beim Umziehen realisieren wir erst richtig, wie ausgekühlt wir sind. Die klammen Finger wollen nicht gehorchen. Es ist fast unmöglich die Schuhbändel aufzuknoten, trockene Socken anzuziehen oder Knöpfe zu schliessen. Bei Suppe, Rösti und Kaffee wird es uns kaum wärmer. Und auch auf der 50 minütigen Zugfahrt hinunter nach Lauterbrunnen schlottern wir weiter. 

Obwohl wir kühle Temperaturen lieben, hoffen wir, dass das Wetter in drei Wochen ein bisschen wärmer und um einiges aussichtsreicher sein wird ...




23 km Berglauf Training auf der Jungfrau Marathon Strecke
Lauterbrunnen - Kleine Scheidegg - Loucherflue - Kleine Scheidegg
3:09:30 Stunden / ca. 8:13 Min./km / Puls 143
+ 1535 hm / - 270 hm / 12 - 4° bedeckt bis neblig
Track http://connect.garmin.com/activity/364747799

Kommentare:

  1. Jag förstår inte allt i texten, men jag ser på bilderna och sammanfattningen att ni måste ha haft en alldeles underbar löptur. Vad fint det måste ha varit!

    Det var kul att se!

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    1. Hej Lennart
      Så roligt att du besökte mig på min blog!
      Ja, att träna på originalsträckan av Jungfrau Marathon är en väldig underbar upplevelse. Det är mycket ansträngande att springa/vandra upp till 2200 möh. Men naturen i Alperna är så vackert, och om solen skiner kan man see de berömda topparna Eiger, Mönch och Jungfrau. De gömmde sig i molnen igår - men två veckor sen så kunde vi beundra deras skönhet.
      Se - http://42195laufend.blogspot.ch/2013/08/hohenmeter-statt-kilometer.html
      Hälsningar från Schweiz
      Marianne

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  2. Ja so gemütlich im Warmen vor dem PC läuft es sich gemütlich mit hinauf, aber "in echt" ist das wirklich ein beachtlicher Lauf, bei den Höhenmetern. Hoffentlich habt ihr etwas bessere Bedingungen am "Echttermin"! Ich habe die schönen Wolkenbilder und Landschaftseindrücke genossen! Auch hier ist es neblig-feucht. Der Herbst naht...

    Liebe Grüße
    Elke

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    1. Hallo Elke
      Gestern wurde uns wirklich bewusst, dass mit dem Wetter in den Bergen nicht zu spassen ist! Ganz oben war es schon fast winterlich kühl!
      Auch ohne die berühmte Eiger-Mönch-Jungfrau-Aussicht kann die wolkenumspielte Bergwelt attraktiv sein. Doch für die vielen Teilnehmer, die von weither anreisen, um die hohen Berggipfel zu sehen, wünschen wir uns doch lieber Traum-Herbstwetter!
      Dir wünsche ich auch eher goldenes Herbstlicht als feuchten Nebel - eigentlich ist diese Jahreszeit doch meist ganz angenehm zum Laufen!
      Liebe Grüsse
      Marianne

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  3. So eine Trainingsumgebung hätte ich auch zu gerne :))

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  4. Hallo Markus
    Es es ist schön, die Alpen ganz in der Nähe zu haben. Und doch nutzen wir die Möglichkeit dort zu laufen viel zu selten ;-)
    Gruss Marianne

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