Sonntag, 9. April 2017

Impressionen vom Halbmarathon "Bündner Frühlingslauf"

... Oder Abwärtslaufen ist nicht so einfach wie gedacht ...

Eine kurzweilige Zugfahrt bringt uns zusammen mit Hugo in nur 2.5 Stunden von Bern ins Bündnerland ins malerische Thusis, das auf 720 müM am Nordportal der berühmten Viamala liegt. Den Zielbogen beim etwa 120 Höhenmeter tiefer gelegenen Schloss Reichenau hatten wir bei der Fahrt über die Rheinbrücke schon gesichtet.




Dank freundlicher Helfer und perfekter Signalisation finden wir leicht zur Startnummernausgabe beim Schulhaus und können uns noch ein Weilchen an die Sonne setzen und den strahlenden Frühlingsmorgen geniessen.


Um 11.05 Uhr werden wir mit viel Applaus im Zentrum auf die Strecke geschickt.



Die ersten hundert Meter führen hinunter zum Bahnhof und wieder hoch zum Start auf der Neudorfstrasse ...


... dann fliesst der Läuferstrom zur Talsohle des Domleschgs hinunter. 



Auf Radwegen oder Nebenstrassen geht es immer mehr oder weniger direkt dem Hinterrhein entlang. Die Aussicht auf die Berge und die blühende Landschaft ist fantastisch.




Ist der Weg schmal und von Wurzeln und Steinen durchsetzt, sind diese vorbildlich mit leuchtend rosa Warnfarbe markiert.







Wie ungezügelt darf man die Beine auf Abwärtsstrecken laufen lassen? "Erfahrene Frühlingläufer halten sich zumindest bis Rothenbrunnen zurück", ... heisst es in der Ausschreibung ... Ich versuche pulsgesteuert vernünftig zu laufen.





Regelmässig bietet die Strecke auch ein paar Höhenmeter, und am Hügel bei Streckenhälfte spielen gar Dudelsackbläser auf wie beim Jungfraumarathon.








Nach Rothenbrunnen laufen wir auf dem so genannten Polenweg. Über einen Kilometer geht es erst stetig kräftezehrend bergauf zum hoch über dem Rheintal liegenden Fahrweg, der während des Zweiten Weltkrieges von internierten polnischen Soldaten angelegt wurde.


Da und dort stehen Tafeln, die vor Steinschlag warnen und der Blick in die Tiefe ist schon mal atemberaubend. 






Doch der Weg ist breit und man kann den Blick ungehindert schweifen lassen. Das Herzstück der Frühlingslaufstrecke bietet ein wunderschönes Landschaftserlebnis. 









Die Beine sind jedoch eigenartig müde - wohl vom ungewohnten Abwärtslaufen auf der ersten Streckenhälfte und von den fast schon frühsommerlichen Temperaturen - und wollen an der letzen Rampe eine Gehpause einlegen. 


Auf dem letzten Kilometer geht es durch einen grossen Steinbruch steil bergab und beim Bahnhof Reichenau wartet eine letzte Bodenwelle. Ein Blick auf die Uhr überzeugt mich dennoch zu einem Endspurt über die Brücke zum Zielbogen beim Schloss Reichenau, denn eine sub-2-Stunden Zeit ist haarscharf erreichbar.




Der ungewohnt grosse Läuferandrang bringt die Helfer im Ziel ins Wirbeln, doch schon bald dürfen wir vor traumhafter Kulisse die Beine ausstrecken und die verdiente Bratwurst samt alkoholfreiem Regenerations-Bierchen geniessen.



21.1 km Bündner Frühlingslauf
1:59:53.3 (5:40 Min./km), Puls 161
10. von 21 W50

75. von 125 Frauen
Track https://connect.garmin.com/modern/activity/1665409507

Dienstag, 6. September 2016

Switzerland Marathon light - mehr Schweiz geht kaum ...

... Ein Lauf wie aus dem Bilderbuch!



Als mein Mann am Sonntag früh zu einer Geschäftsreise aufbricht, nehme ich ebenfalls den Zug und reise ins Herz der Schweiz nach Sarnen. Der "schönste Halbmarathon der Schweiz" scheint viel attraktiver als ein einsamer Longrun.



Schon auf dem Weg vom Zug zum Start werde ich total überrascht! In der Unterführung ist der Andrang so gross, dass der Läuferstrom stockt. Am Tageslicht wird der "Tausendfüssler" jedoch effizient, professionell und humorvoll zum Startgelände geleitet.



Es bleibt noch viel Zeit bis zum Start des Halbmarathons. Viktor Röthlin - Initiant und Organisator des Switzerland Marathon light - bereitet die Primarschüler des "Klassenduells" persönlich auf ihren Lauf vor und bindet nur wenige Sekunden vor dem Start sogar eilig letzte Schnürsenkel!




Dank zwei Startblocks klappt die Startaufstellung bei den Erwachsenen ebenfalls bestens. Bevor es los geht wird die Nationalhymne gespielt, so gut es geht, singen alle mit, und vor dem Startbogen werden Schweizer und Obwaldner Fahnen geschwungen - ich hab jetzt schon Gänsehaut. Dann werden auch wir von "Vik" auf die Strecke geschickt, und Abraham Tadesse gibt den Startschuss. Vier Minuten nach den schnelleren Läufern, geht es um 11:04 Uhr auch für Block 2 los.





Die lustigen Pantomimen feuern uns auf den ersten Metern an ...





... und dank lebendigen Kilometerschildern, die uns kräftig unterstützen, ist es unmöglich ein solches zu verpassen.



Auf leicht welligem Kurs geht es im Uhrzeigersinn um den idyllischen Sarnersee. Die Aussicht auf die Berge und den See ist fantastisch, und die Häuser erinnern mich an meine alte Heimat, den Kanton Schwyz.



Die schöne Landschaft in "Viks" Heimatkanton würde mir zur Unterhaltung ausreichen. Ich trabe glücklich dahin, finde einen angenehmen Rhythmus, der etwas zügiger ist, als ich erwartet hatte, und die Kilometer verfliegen schnell.



Am See und den Bergen kann man sich kaum satt sehen, zudem werden den Läufern und dem Publikum entlang der Strecke unerwartet viele Side-Events geboten! 


Dieser Lauf ist ein Riesenfest - man könnte meinen, es wäre Nationalfeiertag! Mehr "Schweiz" geht kaum (allerhöchstens beim Jungfrau-Marathon...)! 



Alphornklänge begleiten uns, die Fahnenschwinger zeigen ihre Kunst. Alt und Jung haben es sich an der Strecke bequem gemacht und feiern die Läufer. Da und dort werden gar private Verpflegungstellen angeboten - auch offizielle gibt es grosszügig alle 2 - 3.5 Kilometer!




Man lässt sich was einfallen - hier werden sogar beide Strassenseiten mit "Ländlermusik" bespielt.


Moderner und rockiger tönt es wenig später, schwungvoll geht's zum willkommenen Erfrischungspunkt. Noch ist das erste Drittel nicht geschafft, und mir ist schon richtig heiss! Die Bewölkung täuscht - es ist drückend schwül-warm.




Nach guten sieben Kilometern erreichen wir bei Giswil schon das andere Ende des Sees. Wir holen aus zu einer Schlaufe nach Grossteil, und ich nehme den sehr sanften Anstieg kaum wahr - es gibt so viel zu hören, sehen und geniessen!




Das Engagement der Bevölkerung und ganz besonders der Jungendlichen ist berührend! Bestimmt wurde stunden-, ja wochenlang herausgeputzt, vorbereitet, geschmückt und geübt, um uns einen solchen Ohren- und Augenschmaus zu bieten!



Einfach und mühelos ist das Schwingen der schweren Trycheln bestimmt nicht.



Uns Läufer peitscht der urchige Klang, der bis ganz tief ins Innere dringt, voran. Mit Fernsicht auf die Schneeberge ist die kurze Begegnungsstrecke schnell bewältigt - jetzt ist die Hälfte geschafft, und ich laufe immer noch im selben Takt.




Ein weiteres Quartett spendet musikalische Energie, welche ich gerne mitnehme, nun wird die Strecke leicht hügelig.




Alphornklänge begleiten uns bei Aufstieg zum Wald, der den Steinibach umgibt. Ausgerechnet jetzt kommt die Sonne hervor, jeder ist ganz auf seine Schritte konzentriert. Ich nehme es etwas gemütlicher - wo es aufwärts geht, folgt bestimmt bald eine schöne Abwärts-Roll-Strecke!





Am höchsten Punkt fühlt man sich gar auf die Moräne des Jungfrau-Marathons versetzt! Einer Moräne gleich hat der Steinibach an seinem Ufer viel Geröll aufgetürmt, und hier erwartet uns ein Dudelsackbläser (der selbe wie jeweils auf dem 40. Kilometer des Jungfrau-Marathons?)!



Aussichtsreich führt uns die Strecke wieder dem See entgegen ...




... und vor Wilen wartet ein letzter, deutlich spürbarer Anstieg. Es ist etwa 12:30 Uhr, und die Sonne sticht heiss vom Himmel. Meine Pace schmilzt auf diesem Kilometer auf 6:20 Min./km zusammen - aber andere müssen die "Kriechspur" nehmen ...



Die Trychler werden auch langsam müde. Ob der Jüngste schon Blasen an den Händen hat?




Bald sei der letzte Anstieg geschafft, ruft man uns zu. Ich finde meinen Trott wieder, und als ich in Wilen die originelle "Trychlen-schwing-Maschine" entdecke, komme ich aus dem Staunen und Schmunzeln nicht mehr heraus!





Schon liegt Sarnen wieder vor uns, das zweitletzte Kilometerschild hat es sich gemütlich gemacht, aber ich lasse mich nicht anstecken und gebe nochmals Gas. Hört man schon den Speaker vom Zielbereich? Ich freue mich auf einen Sprung in den glitzernden See.




An der Kirche St. Peter und Paul vorbei geht's hinunter in die Stadt und über die Sarner Aa.




Bald ist das Starttor wieder zu sehen. Während wir unterwegs waren, muss es neu bespannt worden sein - noch 700 Meter bis zum Ziel - wie sich diese letzten Meter ziehen ...




Endlich biegen wir nach rechts zum Sportplatz ab. Cheerleader sorgen für den letzten Schwung, den die weiche Tartanbahn gleich wieder schluckt. Der Endspurt gelingt trotzdem. Und ich freue mich riesig über meinen gut eingeteilten und an Eindrücken reichen Lauf zu 1:52:31 Stunden.




Glücklich lösche ich meinen Durst, und dann lockt der See. Erst stehe ich nur bis zum Bauch im Wasser. Die Beine sind sehr dankbar für diese Erfrischung, und der Muskelkater bleibt später aus. Als auch der Kopf nicht mehr glüht, schwimme ich ein paar Züge und lasse mich von der Strömung der hier abfliessenden Sarner Aa tragen - wunderbar!





Unerwartet viele unvergessliche Eindrücke nehme ich mit auf die nur knapp 1:30 Stunden kurze Heimreise aus der Zentralschweiz nach Bern! Herzlichen Dank den Organisatoren und allen Beteiligten für einen fantastischen Lauf!

Switzerland Marathon light = Halbmarathon, 21.0975 km
1:52:31 Stunden (5:19 Min./km)

1. 5 km 26:28 Min. (5:17.6 Min./km)
2. 5 km 26:37 Min. (5:19.4 Min./km)
3. 5 km 26.27 Min. (5:17.4 Min./km)
4. 5 km 
27:07 Min. (5:25.4 Min./km) - sonnig und hügelig
Endspurt 1.1 km 5:50 Min. (5:18.9 Min./km)
Track https://connect.garmin.com/modern/activity/1338052741